Freitag, 6. August 2010

Noch mehr Gründe warum Go so toll ist ;)

Hallo leute,

sorry, dass hier so wenig los ist, obwohl ich Ferien habe. Bin viel damit beschäftigt nichts zu tun und die Ferien zu genießen :D Aber hier wie versprochen noch ein paar Kommentare zu meinem Interview auf KGS.

"Als ich auf KGS kam wollt ich eiglt. nur dieses interessante Spiel GO spielen, aber dadurch hab ich unheimlich viele Leute kennen gelernt, einige davon sind Freunde geworden. Das ist für mich das faszinierende, man lernt so unheimlich viele Leute kennen.“ -Rubina

Für mich ist Go der Ausdruck der Sprache des Bewusstseins. Gleichzeitig Ordnung und Chaos, Einfachheit und Komplexität, Unendliche Möglichkeiten auf kleinem Raum, umfassender als Religionen, Anregender als die Sinnsprüche der weisesten Denker, nicht der Sinn des Lebens aber ein Mittel seinen Geist zu befreien von den Fesseln, von Konventionen und sich selber zu verwirklichen, mehr Kunst als Sport, mehr Wissenschaft als Kunst, mehr Sport als Wissenschaft und somit ein einziges Paradoxon.“ -Blackmoa

“Ich schätze am Gospiel derzeit, meinen Verstand wachzuhalten und zu schärfen, ihn zu entwickeln, kleine bis harte Knobelaufgaben zu lösen, in der Auseinandersetzung mit meinem Spielpartner meine Ausdauer und mein Selbstbewusstsein zu stärken und nicht zuletzt Konzentration und Disziplin zu verbessern. (Ganz ernst gemeint!)“ -Goodminton

“Supergute Beschäftigung und ein Lebensziel in sich selbst. Ich finde Go hat eine gewissermaßen spirituelle Komponente für mich, ich fühle mich einfach beim Go spielen sehr wohl und gefordert (sonst eher selten). Ich spiele Go um Spaß zu haben, vielleicht auch besser zu werden.“ -Anonym

“Go is an interesting game. It's like drawing, only imagination is your limit“ – Assu

Manche Antworten sind ähnlich und doch gibt es viele unterschiedliche Gründe warum die Leute Go spielen. Zu dem Statement von Assu: Vielleicht sollte ich irgendwann mal Go mit dem Zeichnen eines Bildes vergleichen ~ haha. Ich werde mich bald wieder melden, dann wieder mit dem eigentlichen Thema.

Greetings,
Nay

Montag, 19. Juli 2010

Hallo Leute,

endlich Ferien und viele von euch warten ja schon darauf, dass ich endlich die Ergebnisse meines „Interviews“ auswerte. Einige Leute auf KGS wissen was ich meine und somit wohl auch die meisten Leser. Für die anderen: Die letzten Tage habe ich Leute immer wieder gefragt, warum sie denn Go spielen, oder was sie in dem Go-Spiel sehen. Warum ich das getan habe? Zum einen aus Neugierde, zum Anderen, weil ich mal wissen wollte, wie viel Gedanken sich die Leute überhaupt über das Spiel machen. Ich habe zwar keine so weitreichende Interpretationen gefunden, wie ich versuche, sie zu erschaffen, aber immerhin gab es einige schöne Antworten, die zeigen, dass Go mehr als nur ein Brettspiel ist.

"Go ist für mich eine Art Kunst, ein komplexes Gebilde, welches ich mit allen Mitteln versuche mit Rationalem Verstand und Gefühl zu meistern. Es spiegelt in gewisser Weise auch meine Charaktereigenschaften wieder, die ich so besser kennen lerne und auch geringfügig verändern kann..."
-anonym

Solche Beiträge bestärken mich darin in die tiefsten Tiefen der Go-Interpretationen zu tauchen, nicht nur um mein Verständnis des Spieles möglicherweise zu verbessern, sondern auch einfach um der Welt zu zeigen, wie schön tiefsinnig und weitreichend das Spiel ist.

Es ist außerdem bemerkenswert, wie oft mir gesagt wurde, dass die Leute Go spielen, weil die Leute so nett sind und viele Freundschaften durch Go entstanden sind. In der Tat sind viele Go Spieler sehr sozial. Auch hier ein Zitat dazu von der allseits beliebten Lene :P

“ich find Go is'n tolles nettes spiel .. dort kommen die verschiedensten Leute zusammen.
Man knüpft Freundschaften auf der ganzen Welt, was ich total klasse is find ich =)
Aba an eines sollte man immer denken: GO ist nicht alles^^“
-Lenchen16

Eine besondere Überraschung fand ich, dass ich jemand gefunden habe, der Go auch als Sprache interpretiert. Ich hab ihm schon mit ein paar Fragen gedroht, wie genau er die Sprache definiert. Bis jetzt nur so viel:

“Was Go für mich ist?... Eine Sprache. Es gibt Vokabeln und Grammatik. Wenn man eines nicht kann, dann kann man keine tiefen Konversationen führen.“ -Sandmann

Manche Leute machen sich auch kaum Gedanken über Go und spielen es einfach um des Spieles willen, oder um Zeit totzuschlagen:

“Etwas um unnütze Zeit totzuschlagen, die ich besser anders investieren würde.“ -anonym

Ich werde demnächst noch ein paar interessante Antworten vorstellen und auch mit meinem eigentlichen Thema weitermachen.

Hier erst mal DANKE an alle, die beim Interview mitgemacht haben. Ich werde versuchen alle Antworten in den nächsten Beiträgen unterzubringen. Wenn jemand noch nachträglich die Fragen beantworten will, darf er mich gerne anschreiben. Ich freue mich über alle Meinungen. Natürlich könnt ihr eure Meinung auch einfach in den Kommentaren hinterlassen.

Greetings,
Nay

Montag, 5. Juli 2010

Hallo Leute,

nun wie versprochen ein neuer, thematisch einigermaßen gehaltvoller Beitrag in diesem Blog. Im Letzten Beitrag habe ich angedeutet, dass man bei Joseki am leichtesten Parallelen mit Sprache erkennen kann. Warum das so ist möchte ich in den folgenden Zeilen erklären.

Joseki haben zum einen den Vorteil, dass sie mehr oder weniger standardisierte Abfolgen von Zügen sind und zum Andern, dass man davon ausgeht, dass das Ergebnis lokal ausgeglichen ist. Wenn man von Standardabfolgen ausgeht, könnte man aus sprachlicher Sicht sagen, dass Joseki einer bestimmten Grammatik folgen. Grundlage dieser Grammatik wären z.B. Shape, Sabaki oder Haengma.


Ein anderer Aspekt ist die Tatsache, dass beim Joseki die beiden Spieler mehr miteinander als gegeneinander spielen. Zwar gibt es vor allem unter Amateuren viele Spieler, die komplizierte Joseki benutzen um schwächere Spieler aus dem Rhythmus zu bringen, aber wenn beide Spieler die Grammatik kennen, sollte das Ergebnis meist recht ausgeglichen sein und der Wettbewerbsanteil ist etwas geringer.

Ich habe auch erwähnt, dass ich in diesem Post die Semantik mit einbeziehen möchte. In diesem Absatz werde ich erläutern, wieso. Semantik versucht Sprache einfach gesagt mathematisch darzustellen, da diese immer gleich ist. Man kann Dinge zählen und lustige mathematische Dinge mit ihnen anstellen. Allerdings werden fünf Go-Steine immer fünf Go-Steine sein, egal in welcher Sprache.
Man versucht also die Bedeutung einzelner Wörter oder ganzer Sätze in Zahlen, oder zumindest mit einer abstrakteren Methode darzustellen. Dies wird dadurch erreicht, dass man einem Satz einen Wahrheitswert zuweist, also 1 oder 0. Wenn man nun ein Bild hat auf dem ein Kind Ball spielt und gefragt wird, ob auf dem Bild ein Kind Go spielt, dann ist unsere Antwort klar nein. Diese Lösung kommt uns ganz natürlich, aber wie wir Menschen nun mal sind, wollen wir alles erklären können und die Erklärung sieht ganz grob erzählt so aus:
Man schaut sich das Bild an. Wandelt die Frage in eine Aussage um: Ein Kind spielt Go. Dann prüfen wir in dem wir den Satz aufteilen und somit Teilbedeutungen erhalten: Ist auf dem Bild ein Kind? Ja/1 Spielt das Kind? Ja/1 Spielt es Go? Nein/0. Die Summe der Wahrheitswerte ist also 1/1/0. Ist auch nur einer der Werte falsch, so ist der gesamte Satz falsch, also können wir die Frage nach dem Satz mit Nein beantworten. Würde man nun gefragt, ob auf dem Bild ein Kind Ball spielt, dann würden wir beim Prüfen des Satzes nur Einsen bekommen. Also wären alle drei Teilbedeutungen und somit auch der Satz wahr. So ähnlich kann man auch mit Wörtern verfahren, was allerdings weniger anschaulich ist.

Ich hoffe, ihr habt die Erklärung einigermaßen verstanden, aber nun zurück zu den Joseki. Wenn wir versuchen einem Joseki einen Wahrheitswert zuzuordnen, dann könnten wir diesen anhand des Ausgangs des Josekis bestimmen. Eine eins, wenn ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt wurde, eine null, wenn dies nicht der Fall ist. Dies geht allerdings nur bei Joseki und nicht bei einem kompletten Spiel, da man ja hier eigentlich gewinnen will und kein ausgeglichenes Ergebnis erzielen. Bei einem Joseki kann man also vielleicht davon reden, dass die beiden Spieler zusammen versuchen einen wohl geformten Satz zu bilden, aber auch nur hier.

Aus dieser Sicht sind Go-Spieler eher Erschaffer einer ganz neuen (Form von) Sprache die auf ganz anderen Bedeutungen(Wörtern) beruht. Was aus diesem Ansatz noch wird, seht ihr in den kommenden Posts.

Greetings,
Nay

Ich bin zurück

Hallo Leute,

nach dem die Uni mich zur Zeit ziemlich eingenommen hat, bin ich jetzt wieder auf den Spuren der Sprache Go. Zwar schreibe ich in 2 Wochen noch ein paan paar Prüfungen, aber die werden schon schief gehen. Ich lerne auch fleißig^^

Aber zurück zum Thema. Ich habe einen vielversprechenenden Ansatz entdeckt, der zwar aus Sicht eines Sprechers wenig Sinn macht. Aber aus der Sicht eines Linguisten seeeeeehr interessant ist und die Sprache Go in einem ganz anderen Licht erscheinen lässt. Der Ansatz bezieht sich immer noch auf die Syntax, ist also kein kompletter Themenwechsel, allerdings werden wir uns ein wenig an Techniken der Semantik bedienen. Damit kann man zumindest Joseki, bei denen ein gleichwertiges Ergebnis erwünscht ist, ein Gerüst geben welches dem einer Sprache ähnelt.

Greetings,
Nay

Dienstag, 8. Juni 2010

von Steinen, Wörtern und binären Verzweigungen

Hallo Leute,

mir ist eine coole Sache durch den Kopf gegangen. Binäre Konstruktionen! In der Linguistik sind solche Konstruktionen sehr beliebt. Ich hoffe "binär" ist allen ein Begriff. Es bedeutet, dass es immer nur zwei Möglichkeiten gibt. Eine Münze ist zum Beispiel ein binärer Würfel.
In der Phonologie, der Syntax, der Morphologie und Semantik läuft alles so ziemlich auf binäre Verzweigungen hinaus. Zum Beispiel in der Morphologie. Da gehen wir bei Wortbildungsprozessen davon aus, dass immer zwei Komponenten zusammengefügt werden zu einem neuen Wort. Dies kann natürlich beliebig oft wiederholt werden z.B. Glück + -lich wird zu glücklich. Aus Un- und glücklich wird wiederum unglücklich.

Noch ein Beispiel mit „nationalization“

Auch bei der Syntax ist dies möglich, wie der folgende Baum zeigt:

John lost his parents

Es handelt sich bei diesen Bäumen um morphologische, oder syntaktische Bäume, welche Erklärungen liefern sollen, wie Wörter und Sätze systematisch verarbeitet werden. Wir machen dies zwar intuitiv, aber man nimmt an, dass in unserem Kopf gewisse Regeln vorhanden sind, Sprache zu verarbeiten.

Man geht bei den Bäumen davon aus, dass es nur eine binäre Verzweigung gibt, da diese übersichtlich ist und erstaunlich gut mit den Eigenschaften verschiedener Satz, bzw. Wortbausteine umgehen kann. Ich gehe nicht davon, aus, dass ihr jetzt schon alles verstanden habt, was ich hier geschrieben habe. Es ist ohnehin nur eine vage Vorstellung der Möglichkeiten um euch zu zeigen, was ich mit binärer Verzweigung meine.

Was bringt uns das jetzt für das Thema diesen Blogs? Ganz einfach. Schwarz und weiß spielen immer abwechselnd. Auf einen schwarzen Stein folgt immer ein weißer. Wir können davon ausgehen, dass die Steine in Beziehung stehen. Jeder Go-Spieler weiß, dass fast alle Steine auf dem Brett irgend eine Beziehung zueinander haben. Wenn wir es schaffen diese Beziehung mit einem binär verzweigten Baum darzustellen, dann wären wir schon einen guten Schritt weiter und daher werde ich als nächstes versuchen einen syntaktischen Baum auf ein einfaches Joseki anzuwenden.

Greetings,

Nay

Montag, 7. Juni 2010

Versuchen wir's mal zu gliedern

Da bin ich (endlich mal wieder!)

Nachdem wir ja in eine Sackgasse gelaufen sind wollte ich neu anfangen. Der Plan sieht jetzt so aus. Ich werde verschiedene Spiele bzw. Formationen analysieren und versuche herauszufinden, wo Parallelen mit verschiedenen Ansätzen der Sprachwissenschaft liegen. Somit war der erste Post nicht ganz umsonst, da wir schon untersucht haben, ob jeder Zug einen Laut bildet. Ich hoffe ich kann diese Theorie noch ein mal genauer aufgreifen, aber nun versuchen wir erst mal eine Theorie zu finden, die Go am Besten mit Sprache vergleicht.

Am einfachsten zu untersuchen ist vermutlich die Theorie, die davon ausgeht, dass jeder Zug eine Bedeutung hat, die von der einfachen Bedeutung eines Wortes bis zur komplexen Bedeutung eines, oder mehrerer Sätze reichen kann. Allerdings fällt hier die Phonetik und die Phonologie weg, da wir keine einzelnen Buchstaben heraus filtern können. Allerdings möchte ich vor allem auf die Phonologie noch eingehen, da ich hier eine interessante Idee gefunden habe. Dazu später mehr.

Wenn wir daraus mehrere Theorien machen, eine für „Ein Zug, ein Wort“, eine für „Ein Zug, ein Satz“ und eine für „Ein Zug, mehrere Sätze“, dann haben wir sehr schnell ein sehr weites Feld, dass wir untersuchen müssen. Je nachdem werden bestimmte Teilbereiche der Linguistik eine übergeordnete Rolle spielen:

1.„Ein Zug, ein Buchstabe“: Phonetik, Phonologie, Morphologie, Semantik, Syntax, Pragmatik
2.„Ein Zug, ein Wort“: Semantik, Syntax, Pragmatik
3.„Ein Zug, ein Satz“: Semantik, Pragmatik
4.„Ein Zug, mehrere Sätze“ Pragmatik, (Semantik)

Die Teilbereiche sind jeweils nach Wichtigkeit sortiert.

Natürlich wäre es erfreulich, wenn die erste Theorie stimmen würde, da hier alle Teilbereiche eine Rolle spielen, allerdings tun sich hier auch die größten Probleme auf, das ganze logisch zu erklären. Vielleicht finden wir aber doch noch einen Weg aus der Misere. Ich würde mich freuen, wenn ihr Fragen oder Kritik zu den bisher aufgestellten Theorien habt. Auch weitere Theorien können vorgeschlagen werden, so dass ich sie mir näher anschaue. Anregungen als Kommentar schreiben, oder mir auf KGS zukommen lassen.


Außerdem müssen wir herausfinden, wie die beiden Parteien, also schwarz und weiß, zueinander stehen. Streiten sie miteinander oder harmonieren sie auf einer oberflächlich nicht erkenntlichen Ebene.

Auch kann man das Go-Brett auf Dialekte, oder Akzente untersuchen, z.B. Einfluss orientiert, gebietsorientiert, oder flexibel. Dies werden wir allerdings erst in Angriff nehmen sobald wir uns für eine Sprachtheorie entschieden haben.

Egal was man untersucht, all dem muss eine weitreichende Analyse zu Grunde liegen, daher werde ich im nächsten Post versuchen anhand von konkreten Beispielen Parallelen zu Sprache aufzuzeigen.

Greetings,

Nay

P.S. Mir ist klar, dass ich mit diesem Post nicht sonderlich weiter gekommen bin, als ich ohnehin schon war, aber bitte seht ihn, wie die bisherigen Posts, als Vorbereitung auf das was noch kommen mag...

Donnerstag, 3. Juni 2010

Go Fun-Fact No. 1 (not actually funny)

Im japanischen heißt "Go" Sprache. (z.B. in "Ei-Go"=> English, Nihon-Go=> Japanisch, Doitsu-Go => Deutsch) Allerdings benutzen die Japaner dabei ein anderes Kanji (Schriftzeichen) als für das Brettspiel, welches in Japan genaugenommen auch I-Go heißt.